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Auf der höchsten Erhebung Winzingens, auf der die Alte
Winzinger Kirche steht, befand sich bereits um 500 v. Chr. eine keltische
Siedlung. Die erste urkundliche Erwähnung Winzingens stammt aus dem Jahre
774 im Zusammenhang mit Schenkungen an das Kloster
Weißenburg. Mauerreste und Plattengräber bezeugen, dass an dieser
Stelle bereits zur karolingischen Zeit eine Kirche vorhanden gewesen war
bevor im 13. Jahrhundert eine kleine, gotische Kirche errichtet und dem
heiligen Ulrich geweiht wurde. Im Jahr 1281 wird erstmals der Pfarrer von
Winzingen als "Landdechant" erwähnt. Zunächst besaß das Bauwerk neben
dem Schiff auch einen rechteckigen Chor, von dem aber nur die Ostwand
stehen blieb. Auf dieser sind zwei Wandmalereien aus dem beginnenden
14.Jahrhundert erhalten. Dargestellt wird auf den beiden Bildern die
Ankündigung der Geburt Jesu:
Auf dem linken Bild steht
mächtig der Verkündigungsengel. Er trägt ein faltenreiches,
sternenbesetztes Gewand und hebt, Maria zugewandt, mit bedeutungsvoller
Gebärde die rechte Hand. Seine linke Hand trägt einen Lilienstab und ein
Spruchband mit der Inschrift: "AVE MARIA GRACIA PLENA". Der Mantel des
Engels ist blaßgrün, das Untergewand gelblich, die Flügel buntschillernd.
Umrahmt wird das Bild von drei Streifen in den Farben grün, gelb und
rot. Das rechte Bild zeigt Maria, den Kopf demütig zur Seite neigend.
Die Haltung ihrer Hände signalisiert Ergebenheit und Gehorsam. Aus einem
kleinen Doppelfenster links oben schwebt eine Taube herab als Sinnbild des
Heiligen Geistes. Zur Seite der Jungfrau befindet sich eine Vase mit einer
Lilie, dem Symbol der Reinheit. Maria ist mit einem blauen Untergewand und
einem roten Mantel bekleidet.
Diese beiden Wandmalereien wurden
im Jahr 1912 mit Sackleinen sorgfältig abgedeckt und unter Verputz gelegt
(gerüchtehalber wurde erzählt, dass den Gottesdienstbesuchern die
mächtigen Hände der beiden Gestalten nicht gefallen hätten). Im
gleichen Jahr wurden auch die Malereien an Teilen der Süd- und Nordwand
übertüncht, die Stationen des Lebensweg Christi darstellen - allerdings
stark beschädigt, sodass nur Fragmente erkennbar sind.
In der
Reformationszeit ging die Kirche in den Besitz der Protestanten über. 1750
wurde der reformierten Gemeinde Winzingen, die damals aus 45 Familien, 250
Mitgliedern, 40 Häusern und fünf Mühlen bestand, aufgrund der
"Religions-Deklaration" des Kurfürsten Johann Wilhelm das alleinige
Besitzrecht an der Kirche, dem diese umgebenden Friedhof und dem
benachbarten Schulhaus zugesprochen. Das Kirchlein war inzwischen
baufällig und zu klein geworden. Auf Initiative des Pfarrers David
Gottfried Weber und einiger Presbyter wurde 1730 mit dem Erweiterungsbau
begonnen: nur die Ostwand des Chores, die Westwand mit dem gotischen
Portal sowie die rückwärtigen Teile des Schiffes blieben stehen - alles
andere wurde nach den Längsseiten hin erweitert und eine Empore
eingezogen. An der Nordwand wurde ein zusätzliches, breites Barockportal
eingesetzt. Eine steinerne Tafel an der Südseite des Kirchenschiffes
erinnert an diese Umbaumaßnahme. Die folgenden Generationen haben das
ihre getan die Kirche instand zu halten und zu vervollständigen: es
wurden Glocken, eine Orgel und eine Uhr angeschafft. Der Friedhof im
Kirchgarten wurde in die Branchweilerhofstraße verlegt und war dort bis
1904 in Betrieb. Am 22. August 1904 schlug der Blitz ein und zerstörte
die Orgel, die jedoch wieder instandgesetzt werden konnte. Drei
Fensterbilder wurden in dieser Zeit angebracht mit den Porträts von Martin
Luther (an der Oberseite noch erhalten) sowie von Philipp Melanchthon und
Martin Bucer.
Die letzten gründlichen Erneuerungsarbeiten erfolgten
in den Jahren 1911 und 1912, in deren Rahmen die Wandmalereien übertüncht
wurden. 1926 wurde eine neue Orgel eingebaut zum stolzen Preis von 15.000
Mark. 1928 wurde die Empore erweitert, um dem Kirchenchor Platz zu
schaffen.
Der Turm an der Westseite hatte eine recht seltsame
Geschichte: ursprünglich als Dachreiter nur für eine Glocke bestimmt
sollte er bald eine zweite beherbergen. Aber es fehlte an Raum, sodass
beide Glocken nicht ausschwingen konnten - man suchte nach billigen
Lösungen. Der zu klein gewordene Dachreiter wurde nach Osten hin geöffnet
und ein Holzkasten, der Platz schaffte zum Schwingen beider Glocken,
angebaut. Das sah zwar nicht besonders schön aus, erfüllte aber den Zweck.
In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 versuchte die deutsche
Artillerie, die einmarschierenden Amerikaner noch aufzuhalten - und traf
dabei voll den Turm, sodass er einstürzte.
Nach dem Krieg wurde die
Kirche hergerichtet und bis zum Jahr 1965 als Gottesdienstraum genutzt.
Pläne, den Turm auch wieder aufzubauen, scheiterten an
Geldmangel.
Nach dem Umzug in die moderne und viel größere
Martin-Luther-Kirche wurde die Inneneinrichtung der Alten Winzinger Kirche
- Gestühl, Orgel und Glocken - auf geheimnisvolle Weise demontiert und mit
unbekanntem Ziel abtransportiert. Vorhanden sind die Reste der Kanzel
und zwei Grabsteine, deren ältester aus dem Jahr 1424 stammt und das Grab
des seinerzeitigen Frühmessners, eines Herrn Jodokus,
zierte.
Nachdem im Jahr 1981 bei Sanierungsarbeiten in der Kirche
an der Nord-West-Ecke ein altes Grab entdeckt worden war, wurde die Alte
Winzinger Kirche unter Denkmahlschutz gestellt. Das inzwischen marode Dach
und die Außenmauern wurden saniert und die mittelalterlichen Wandmalereien
teilweise freigelegt - dies alles mit erheblichem finanziellen Aufwand der
Martin-Luther-Kirchengemeinde und mit Zuschüssen der staatlichen
Denkmalpflege. Viele Pläne wurden geschmiedet - und wieder verworfen.
So, die Kirche in ein Gemeindezentrum umzufunktionieren.
Am 2. Mai
1996 wurde die "Fördergemeinschaft Alte Winzinger Kirche e. V. Neustadt
an der Weinstraße" gegründet. Deren satzungsgemäße Ziel ist "die
Erhaltung und Gestaltung der Alten Winzinger Kirche nach den gesetzlichen
Bestimmungen der Denkmalpflege, die Öffnung der Kirche für die
Allgemeinheit zur Besichtigung und die Nutzung der Kirche für kulturelle
und kirchengemeindliche Veranstaltungen sowie die Organisation von
Ausstellungen" (§ 2 der Satzordnung).
Michael Suchanek
Quellen: - Stadtarchiv Neustadt an der Weinstraße - Friedrich
Krämer und Egon Müller, Neustadt - Wilhelm Siebert, Pfarrer und Dekan
(1932-1965)
Fördergemeinschaft Alte Winzinger
Kirche e.V. Neustadt a. d. Weinstraße - Winzingen
Der Vorstand:
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Vorsitzender: |
Michael Suchanek |
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Stellvertreterin: |
Rosemarie Broßardt |
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Schriftführer: |
Klaus-Eric Prugel |
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Kassiererin: |
Rosel Müller |
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Beisitzer: |
Ursula Baade, Walter Kurz, Gregor Müller |
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Vertreter der Martin-Luther-Gemeinde: |
Hans-Jürgen Zander |
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Vertreter der Pfarrei St. Josef: |
Michael Hergl |
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Vertreter der Stadtverwaltung: |
Lutz Frisch |
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Mitgliedsbeitrag: 30,00 € /
Jahr
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Spendenkonto: Sparkasse
Rhein - Haardt (BLZ: 546 512 40) Konto - Nummer: 1 000 625
978 Auf Wunsch werden Spendenbescheinigungen
ausgestellt ____________________________________________________________________
Die nächsten Aufgaben: - Erweiterung der
Räumlichkeiten um sanitäre Anlagen, Garderobe, Stuhllager etc. -
Einbau einer leistungsfähigen Heizungs- und Lüftungsanlage um für die
Erhaltung der Wandmalereien konstante Bedingungen zu
schaffen - Restaurierung der Wandmalereien
Information: Prot. Pfarramt 1,
Kirchstraße 40 67433 Neustadt Tel.: (06321)
88240 |